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Deutsch-Französische Beziehungen

Zwischen Feindschaft und Freundschaft - Brüche und Brücken in Europa

APB-Tutzing-Frankreich

Tutzing / Tagungsbericht / Online seit: 05.01.2018

Von: Luisa Schmid

Foto: APB Tutzing

# Europäische Integration, Nationalsozialismus, Zeitgeschichte

Download: Brüche und Brücken


Flickr APB Tutzing

© Akademie für Politische Bildung Tutzing

Brüche und Brücken ist auch das Schwerpunktthema der Akademie im neuen Jahr 2018. Diese Tagung analysiert zwei Staaten im Zentrum Europas, die von Erzfeinden zu Freunden und womöglich wichtigen Partnern für den Frieden eines ganzen Kontinents wurden.

1918 führt der Vertrag von Versailles zu einer Umstrukturierung der Zentralkommission der Rheinschifffahrt (ZKR). Nunmehr sollen die Flüsse internationalisiert werden und durch eine Aufstockung der Mitglieder – nicht bloß Anrainerstaaten – in der Kommission kommt es zur Europäisierung. Die Rheinschifffahrt ist ein frühes Zeichen der wirtschaftlichen sowie politischen Kooperation zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich, erläutert Guido Thiemeyer. Adolf Hitler allerdings sieht in der neuen Struktur der Zentralkommission keine Vorteile, sondern einzig und allein ein Versailler Diktat. 1936 tritt er aus der ZKR aus.

Kontinuitäten

Die Orchestertourneen sieht Friedemann Pestel als einen Kontinuitätsfaktor in den deutsch-französischen Beziehungen. Die Konzertprogramme damals wie heute sind sehr ähnlich und sprechen auch für die Globalisierung im Bereich der Musik. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit weist Parallelen zum Musikmarkt auf. Werner Bührer sieht einen starken Willen auf beiden Seiten. Ökonomische Interessen sind gewichtiger als Vertrauen oder eine besonders frankophile oder germanophile (deutschfreundliche) Ausprägung. Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Frankreich sind nicht von großen Unternehmen geprägt worden, sondern durch Erfahrungen und Traditionen einzelner Händler. Nach 1945 sei ein dichtes und stabiles Netz zwischen den beiden Ländern entstanden. Es bildet die Grundlage für spätere europäische Projekte wie die Montanunion oder die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG).

(Historische) Exilpläne für ein organisiertes Europa

Im Widerstand (Résistance) während des zweiten Weltkriegs oder dem Exil werden Pläne für die Ordnung in Europa nach dem Krieg geschmiedet. Die Kollaboration des Geistes stand vor der politischen Zusammenarbeit. Schnell wird klar, dass eine Einigung Europas ohne Deutschland nicht möglich ist. Aus dem Exil schrieben Hilde Meisel / Hilda Monte oder auch Willy Brandt und weitere Sozialdemokraten wie Willi Eichler oder Walter Fliess. Sie alle streben Sicherheit und Frieden an. Dies soll durch Strukturen jenseits des Nationalstaats garantiert werden, obwohl die nationale Zugehörigkeit nach wie vor von großer Bedeutung war. Die Ansätze sind höchst unterschiedlich und reichen von losen Zusammenschlüssen bis Föderalismus.

Versöhnung – mit wem?

Die Versöhnung (Réconciliation) der beiden Völker steht unter dem Zeichen „verzeihen, aber nicht vergessen", erklärt Henning Fauser. Die Résistancekämpfer und Antifaschisten freunden sich mit der DDR an. Es entsteht ein kommunistischer Diskurs. Das Militär und der Militarismus stellen Gegner dar, genauso wie ehemalige Eliten – sprich: Nationalsozialisten. Man steht auf der Seite der Aufrüstungsgegner und Verfolgten oder Opfer des Nationalsozialismus. Es kommt zur Idealisierung der DDR und Abwertung der Bundesrepublik. Das Bild von einem „richtigen" und „falschen" Deutschland entsteht – mitten im Kalten Krieg.


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