Brennpunkte europäischer Politik
Brexit, Demokratie, Außenbeziehungen
Tutzing / Tagungsbericht / Online seit: 13.04.2017
Von: Tobias Rieth
Foto: APB Tutzing
# Europa, Europäische Integration, Populismus und Extremismus
Download: Brennpunkte europäischer Politik
Am 29. März 2017 hat die britische Premierministerin Theresa May offiziell die Austrittserklärung aus der Europäischen Union an den Präsidenten des Europäischen Rates Donald Tusk übergeben. Damit beginnen die zweijährigen Austrittsverhandlungen. Doktor Nicolai von Ondarza, von der Stiftung Wissenschaft und Politik, zeichnete die Streitpunkte dieser Verhandlungen auf:
- Rechte von EU-Bürgern in Großbritannien
- Rückzahlung von längerfristigen Haushaltszahlungen
- Beziehungen zwischen Großbritannien und Irland
Da Großbritannien neben den „Scheidungsfragen“, sowohl noch die zukünftigen Beziehungen zur EU, als auch neue Freihandelsabkommen mit nicht-EU Staaten verhandeln muss, stehe es „vor dem schwierigsten administrativem Vorhaben seit dem zweiten Weltkrieg“. Zusätzlich dazu kommen interne Streitigkeiten und das Unabhängigkeitsbestreben der Schotten. Wirtschaftliche Argumente sprächen zwar für einen „soften Brexit“, doch der Politikwissenschaftler sieht auf beiden Seiten die politische Dynamik zu einem harten Brexit. Ondarza bemerkt ebenso tiefe Gräben innerhalb der EU, die überwunden werden müssen, wie in der Euro- und Flüchtlingspolitik. Allerdings habe der Brexit auch positive Auswirkungen gehabt, denn unter anderem wurde „die Debatte über die Zukunft Europas, die bisher ein Elitendiskurs war, nun vollkommen geöffnet.“
Die Trumpetisierung der Politik
Von einem „Vormarsch der Demagogen in Europa“ und einer „Verrohung des politischen Stils“ sprach Florian Hartleb. Der Publizist und Kommunikationsberater skizzierte die Entwicklung der populistischen Bewegungen in Europa und Amerika, von der FPÖ über Anders Breivik bis hin zu Brexit und Donald Trump. Populismus lasse sich in zwei Dimensionen aufteilen: eine vertikale („Wir-gegen-die-da-oben“) und eine horizontale („Wir-gegen-die-da-draußen“). Dabei verwende Populismus Gegensatzpaare und Anti-Eliten-Rhetorik und netze dafür zunehmend die sozialen Medien. Außerdem suggeriere der Populist „zu wissen, wie das Volk denkt“ und dessen Willen am besten zu vertreten. Hartleb stellte Strategien gegen Populismus (strikte Ausgrenzung, Ignorieren, Tolerierung, thematische Annäherung und Koalition) vor. Die EU setze als Reaktion auf den Aufstieg des Populismus in Europa, auf eine bessere Kommunikationsstrategie: man möchte dem einzelnen Bürger die EU besser erklären und dabei eine einfachere Sprache verwenden.
Dr. Gero Kellermann
Tel: 08158 / 256-33
g.kellermann@apb-tutzing.de
Streitkultur im Wandel
Social Media, Polarisierung und die Krise des politischen Dialogs
Harmlose Lebenshilfe oder Treiber der Radikalisierung?
Esoterik im digitalen Zeitalter
Fragen an die politische Bildung
Offener Fachtag zum Rechtsruck in Europa
Die wehrhafte Demokratie im Realitätscheck
Kostenloses Akademiegespräch am See in Tutzing
Alternde Gesellschaft
Wie der demografische Wandel Japans Demokratie verändert
Die gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen
So sieht die Praxis der Antisemitismusprävention aus

